Ältestes Haus Augsburgs |
Weberhandwerkerhaus
Augsburg, Am Eser 17
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Baugeschichte:
1392 |
Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts ragte gegenüber
der Häuserzeile Am Eser die Stadtmauer empor. Die heutige
Eserwallstraße verläuft genau über dem damals zugeschütteten
Wehrgraben. Der Versuch, nach dem Abbruch der Mauer
auch an der Südflanke der Altstadt den Ringstraßenbau durch
eine neue Häuserzeile zu krönen, wie dies im Westen entlang
der heutigen Konrad-Adenauer-Allee geschah, blieb allerdings
mit der Errichtung eines einzigen aus der alten
Baulinie ausbrechenden Gründerzeitbaus (Eserwallstr. 17)
in den Anfängen stecken. Die einfachen Wohnhäuser des
16./17. Jahrhunderts vermochten sich dagegen nahezu ausnahmslos
bis heute zu behaupten und konnten inzwischen fast
alle saniert werden.
Eine besondere Überraschung, nämlich den bisher ältesten Nachweis eines noch bestehenden Gebäudes in Augsburg, bescherte dabei zuletzt die bauforscherische Untersuchung des Anwesens Am Eser 17. Im Bereich der nördlichen Giebelwand waren schon zu Beginn der Instandsetzung in den Jahren 1995/96 wichtige Fachwerkbefunde ans Licht gekommen. Eine dendrochronologische Untersuchung von konstruktiven Hölzern aus dem Dachwerk und aus dem Fachwerk der Nord- und Ostfassade ergab schließlich übereinstimmend als Fällungsdatum das Jahr 1392. Durch die Bauforschung konnte das konstruktive Gefüge des ursprünglichen Fachwerkbaus umfassend nachgewiesen werden. Aus der Bauzeit sind im Erdgeschoß beachtliche Reste einer Bohlenstube erhalten. Sie sind heute von einfachen Leichtbauwänden geschützt, können aber durch "Befundfenster" eingesehen werden. Die für den Typus des Mietzinshauses charakteristische stockwerkweise Erschließung der Wohnungen (Erdgeschoß über Eingang an der östlichen Traufseite; 1. Obergeschoß über zweiläufig gewinkelte Treppe vom Eingang an der vorderen Giebelseite; Dachgeschoß über Außentreppe vor der östlichen Traufseite und weiter über einläufige Treppe im Gebäude) blieb bei der Sanierung durch die Besitzer erhalten. Der geräumige Keller, dessen Decke in historischer Zeit bereits einmal angehoben wurde, hat offensichtlich als Werkstatt gedient: Seit dem Jahre 1645 sind hier bis ins 19. Jahrhundert fast ausschließlich Weber nachzuweisen. Ihre Webstühle waren nach Möglichkeit in den kühlen Kellerräumen untergebracht, da diese aufgrund der gleichmäßigen Luftfeuchtigkeit ideale Voraussetzungen für die Herstellung der Gewebe boten. |